Handlungsalgorithmen für die Notfallsanitäterin / den Notfallsanitäter Land Brandenburg Version 1.4 vom 01.03.2019

Alle Angaben auf dieser Homepage dienen ausschliesslich dem Lernen im Rahmen der Weiterbildung zum Notfallsanitäter in Brandenburg. Es sind weiterhin die Erstellungsdaten der Skripte und Handlungsalgorithmen zu beachten!

Da nicht für die Fehlerfreiheit der gemachten Angaben garantiert werden kann, wird für Schäden, die durch eine Anwendung dieser Informationen an Patienten entstehen, keine Haftung übernommen!

intraossärer Zugange - (am Beispiel Arrow® EZ-IO®)

Indikationen:

  1. nach 2 - 3 vergeblichen peripher venösen Punktionsversuchen

oder

  1. wenn i.v. Punktion länger als 90–120s bei schwierigen Venenverhältnissen dauert

und

  1. Gefäßzugang absolut dringlich benötigt wird
  2. entsprechend ERC- und Polytrauma Leitlinien als alternativer Zugang
  3. bevorzugter Zugang bei Kinderreanimationen

Alle Notfallmedikamente werden in der gleichen Dosierung wie i. v. gegeben!

Kontraindikationen

  1. Frakturen im Bereich des geplanten Zuganges → auch lokale Frakturen, Beckenfraktur
  2. lokale Infektionen, floride ("blühende") Osteomyelitis
  3. diverse kongenitale (angeborene) / hereditäre (erblich bedingte) Knochenerkrankung
  4. vorherige orthopädische Behandlung (Marknagel nach Fraktur)
  5. Punktionsort nicht lokalisierbar
  6. vorherige vergebliche Punktion an selber Extremität

Vorbereitung

  1. EZ– IO® mit Punktionskanüle:
    15 mm rosa - Kind 3 – 39 kg
    25 mm blau - Erwachsener > 40kg
    45 mm gelb - Erwachsener adipös
  2. Desinfektion
  3. Tupfer
  4. Fixationspflaster, ggfs. Kompresse eingeschnitten und Rollenpflaster

Punktion (Punktionsort: proximale Tibia)

  1. festes Widerlager unter dem Kniegelenk schaffen
  2. Hautdesinfektion
    Wichtig: steriles Arbeiten!
  3. Punktionsorte → flache Schienbeininnenfläche, ca. 2 cm unterhalb der Tuberositas tibiae
  4. desinfizieren
    Einwirkzeit beachten!
Intraossär
  1. Schutzkappe vom Abzug des Bohrers entfernen
  2. Behältnis der Nadel öffnen
  3. Nadel mit der magnetischen Antriebswelle des Bohrers aufnehmen
  4. Schutzkappe von Nadel entfernen
  5. Bohrer mit Nadel senkrecht 90° zum Knochen ansetzen
    Bei Kindern leicht nach distal (von der Körpermitte entfernt) geneigt!
  6. Gewebe durchstechen
    Letzter Markierungsring muss noch sichtbar sein!
Intraossär
  1. Abzug betätigen und bei Widerstandsverlust sofort loslassen
  2. kaum Druck ausüben und nicht ruckartig zurückziehen
  3. Kanüle festhalten, Stilett herausdrehen und entsorgen
  4. EZ-Connect®-Anschlussleitung anschließen → vorher entlüften
  5. ggfs. Erfolgskontrolle durch Aspiration von Knochenmark, sofortiges Nachspülen mit Na Cl 0.9 %
  6. wenn NRS > 5, ggfs. Lidocain zur Lokalanästhesie vorspritzen
  7. anschließende Injektion sollte nahezu widerstandslos erfolgen
  8. sichere Fixierung des Infusionsschlauches in Knienähe
  9. Punktionsstelle mit steriler Schlitzkompresse umpolstern
  10. Infusionssystem mit Dreiwegehahn anschließen, Druckinfusion mit 300 mmHg durchführen
  11. Umlegen des beiliegenden und mit Datum und Uhrzeit beschrifteten Bändchen um ein Handgelenk → Entfernung des IO– Zuganges nach spätestens 24 Stunden
  12. Pflegepersonal auf Wichtigkeit des Bändchens hinweisen

Komplikationen

  1. Verletzung der Epiphysenfuge - deshalb leicht distale Punktionsrichtung bei Kindern
  2. Paravasat - bei inkorrekter Lage
  3. Hämatom, Perforation, Tibiafraktur
  4. Injektionsschmerz - ggfs. Lidocain applizieren
  5. ggfs. Arrow® EZ-IO® Ersatzgerät vorhalten
Intraossär

Entfernen

  1. ggfs. alternativen Zugang etablieren
  2. EZ-Connect®-Anschlussleitung entfernen
  3. sterile Spritze mit Luer-Lock Verschluss und vollständig eingeschobenen Kolben anschließen
  4. beim Herausziehen kontinuierlich im Uhrzeigersinn drehen
  5. Punktionsstelle verbinden

Quellen:
Handlungsalgorithmen für die Notfallsanitäterin / den Notfallsanitäter Land Brandenburg Version 1.4 vom 01.03.2019
Arrow® EZ-IO® Intraosseous Vascular Access System - Teleflex Incorporated (Englisch)