Handlungsalgorithmen für die Notfallsanitäterin / den Notfallsanitäter Land Brandenburg Version 1.4 vom 01.03.2019

Alle Angaben auf dieser Homepage dienen ausschliesslich dem Lernen im Rahmen der Weiterbildung zum Notfallsanitäter in Brandenburg. Es sind weiterhin die Erstellungsdaten der Skripte und Handlungsalgorithmen zu beachten!

Da nicht für die Fehlerfreiheit der gemachten Angaben garantiert werden kann, wird für Schäden, die durch eine Anwendung dieser Informationen an Patienten entstehen, keine Haftung übernommen!

Glyceroltrinitrat
Spray 0.4 mg / Hub

Indikation:
Leitsymptom Thoraxschmerz / akutes Koronarsyndrom
wenn:

  1. NRS > 5
  2. RR sys > 140 mmHg
  3. keine Kontraindikationen

Dosierung

  1. Erwachsene: 0,4 mg s.l. - entspricht 1 Hub -
    ggfs. Repetition von 0.4 mg nach 5 Minuten, wenn RR sys > 110 mmHg
  1. Kinder: nicht erlaubt

Beachte:

  1. vor Applikation Nitroglycerin immer sicherer venöser Zugang
  2. Abklärung, ob innerhalb der letzten 24 h potenzsteigernde Mittel eingenommen wurden
  3. Patient über Nebenwirkungen aufklären -> Kopfschmerz, Herzklopfen, Wärmegefühl
  4. Wirkeintritt: 10 bis 15 s, Wirkungsmaximum: 2 bis 5 min., Wirkdauer: bis 45 min.
  5. nach Besserung der Symptomatik in der Folge einer Nitroapplikation soll lauf ESC-Leitlinie ein erneutes 12-Kanal EKG geschrieben werden -> Frage nach Hinweis auf einen Koronarspasmus

Kontraindikationen:

  1. Einnahme von PDE-5 Inhibitoren² (u.a. Potenzmittel: z.B. Sildenafil [Viagra], Tadalafil [Cialis], Vardenafil [Levitra])
  2. kardiogener Schock (nach S3-Leitlinie „Infarktbedingter kardio. Schock": RR sys unter 90 mmHg als Marker)
  3. Hypotonie (RR sys unter 100 mmHg)
  4. Hinterwandinfarkt³
  5. Allergie auf Wirkstoff
  6. bekannte Unverträglichkeit

Beachte:
² - Wirkung primär als Blutdrucksenker - bisweilen auch als solcher verschrieben! Wirkung potenziert sich bei Gabe von Glycerolnitrat.
³ - deutliche ST-Strecken-Hebungen in den Ableitungen II, III und aVF, ggfs. deutliche Q-Zacken in den Ableitungen III und aVF, gestaute Halsvenen oder Beinödeme möglich

Nebenwirkungen:

  1. Reflextachykardien
  2. orthostatische Hypotension
  3. Kopfschmerzen
  4. Synkope

Wirkungen:

  1. Verminderung des Sauerstoffverbrauches am Herzmuskel
  2. Vorlastsenkung durch Vasodilatation peripherer venöser Gefäße -> venöses Pooling
  3. verbesserte Durchblutung des Herzmuskel durch Dilatieren der Herzkranzgefäße
  4. Erhöhung des Wirkungsgrades der Herzarbeit

Alle Angaben entsprechend Handlungsalgorithmen für die Notfallsanitäterin / den Notfallsanitäter Land Brandenburg Version 1.4 vom 01.03.2019